Hilde Chistè   - Bilder zur Freude - Auswahl aus 40 Jahren Malerei

 

Die Ausstellung der Absamer Malerin Hilde Chistè im Kunst-Werk-Raum Mesnerhaus Mieming spannt einen Bogen über mehr als 3 Jahrzehnte künstlerischen Schaffens. Gezeigt werden verschiedene Genres und Techniken; Aquarell, Öl- und Glasmalerei, dazu Dokumentationen von Werkrealisierungen im öffentlichen Raum.

 

Die Schau zeichnet den Weg der Künstlerin, die maßgebliche Impulse von prominenten Kunstvermittlern und Künstlerpersönlichkeiten wie Elfriede Gerber, Herbert Danler, Franz Pöhacker und Christian Ludwig Attersee empfangen konnte, auf der Chistè jedoch sehr bald ihre eigene Spur finden soll.

 

Es entstehen nun jene unverkennbaren Chistè-Bilder, die das geläufige Verständnis von „abstrakt“ und „konkret“ nachgerade umkehren. In den Bildern des Wachsens  geht es nicht zuerst um Abbildung, sondern um das um das intuitive Erspüren eines Geschehens, das Erspüren des Lebendigen. Es geht um die vollzugshafte Seite der Wirklichkeit, indem dem Prozess des Werdens und Wachsens behutsam nachgegangen wird. Es geht nicht um ein Feststellen, was etwas ist, darum etwas zu erfinden (parallel zur Realität) oder etwas zu machen, sondern es sind Bilder des Findenden. Daher geht es stets um das Eine Thema des Wachsens und nicht immer um etwas Neues. Die Bilder haben nichts Gegenständliches zum Inhalt. Sie sind aber auch nicht ins subjektive Erleben gesetzt.

Die neuen Landschaftsbilder gehören auch in das große Thema des Lebendigen. Weltaußenraum scheint im Seeleninnenraum gespiegelt; die Heimkehr der Seele zu sich selbst ist ein Flug an den Horizont der Welt. Landschaft ist erfahren als ein lebendig gewobenes Gebilde von Formen und Farben. Während das Wachsen die Höhe gewinnt ist Die Landschaftsbilder sind Erfahrungen intuitiven Schauens, nicht objektive Abbildung von Welt.

Besonders zwei Momente sollen dies verdeutlichen: Insofern Hilde Chistès Kunst nicht zuerst aus produktiver Setzung kommt, sondern noch ursprünglicher aus dem Hören auf das, was uns Vorgegeben ist, eignet ihnen eine innere Musikalität, die nicht nur formal entwickelt ist, sondern auf der Innigkeit der erfahrenen Bezüge beruht. Und, zweitens, teilt sich in solcher Innigkeit und Unmittelbarkeit eine Erfahrung des Schönen mit, die sich nicht erst durch äußerlich-ästhetische Reflexionen ausweisen muss, sondern in gleicher Weise bewegt, wie wir etwa den Gesang des Vogels schön finden und dieser uns erfreut. In diesem Sinne kann man die Bilder Chistès lange, lange betrachten; sie werden nicht langweilig und monoton. Vielmehr gewinnen sie an meditativer Intensität und ihre berührende Schönheit lässt aus sich Freude entstehen: sie gereichen zur Freude.

Hilde Chistè schafft in ihrer Malerei Metaphern, also bildliche Wendun-gen, von allgemeiner Gültigkeit und Zeitlosigkeit, die ihr Werk ganz wesentlich von Strömungen aktueller Tendenzen unterscheidet.

 

Dr. Markus Illmer